Wer die Tageszeitung aufschlägt, der findet neben interessanten Berichten aus Sport, Unterhaltung und Feuilleton oftmals auch Erschreckendes aus der Arbeitswelt. Demnach würde die Arbeitsbelastung in vielen Berufen enorm steigen. Ein brisantes Cocktail aus steigenden Leistungsanforderungen, hoher Bereitschaft Kolleginnen und Kollegen zu mobben und Übergriffen von Kunden oder Besuchern beschreiben das tägliche Leben in vielen Berufen.

Das Ärzteblatt berichtete bereits im August 2018, dass sich die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen innerhalb von nur zehn Jahren verdoppelt hätten! Wer möchte da unbedingt bis zu einem steigenden Rentenalter von 65 oder 69 Jahren durchhalten? Oder ist es nicht besser bis 40 „ranzuklotzen“ und dann in Rente zu gehen? Eine zunehmende Anzahl an Menschen – auch Frugalisten genannt – setzt sich dieses Ziel.

Gesellschaftliche Werte verändern sich: Arbeit steht nicht mehr an erster Stelle

Für frühere Generationen war der Wunsch einer frühen Verrentung beinahe undenkbar und auch nicht möglich: Viele Familien begannen direkt nach dem II. Weltkrieg – insbesondere als Flüchtlinge aus Ostpreußen oder auch Aussiedler aus der DDR mit einem sehr niedrigen Vermögensstand. Mittelständische Unternehmen, Handwerker oder auch Angestellte bekamen auch von ihren Eltern kaum etwas vererbt.

Deshalb ward neben einer glücklichen Familie das Schaffen eines Vermögensstocks für sich selbst und die nachfolgenden Generationen ein sehr wichtiges Ziel. Dem viele weitere Ziele oder auch die Lebensqualität untergeordnet wurden.

Inzwischen befassen sich mehr Menschen mit der Selbstverwirklichung und Lebensarbeitszeitmodellen, die mehr Platz für Individualität oder auch die Gleichwertigkeit von Arbeit und Privatleben (Work-life-balance) lassen. Die Sinnstiftung erfolgt aus verschiedenen Quellen, weshalb mit 40 in Rente gehen eine durchaus interessante Alternative zu sein scheint.

20 Jahre Sparsamkeit und die Rente vorziehen: Kann das überhaupt funktionieren?

Mit 40 schon die absolute finanzielle Unabhängigkeit zu haben ist sicherlich nicht für jeden Menschen möglich. Allerdings bietet die Forderung „Mit 40 in Rente gehen“ viele Anhaltspunkte, um über das eigene Ausgabeverhalten und die eigene Lebensplanung nachdenken zu können. Übrigens vollkommen unabhängig davon, ob jemand in einer klassischen Beziehung lebt oder verheiratet ist: Viele insbesondere großen Ausgabenpositionen steigern die aktuelle Lebensqualität nur vermeintlich – lassen aber das Ziel der Rente mit 40 in die Ferne rücken. Wer uns anhand dreier Ausgabenpositionen auf der Gedankenreise eines Berufseinsteiger-Pärchens (beispielsweise Anfang 20) begleitet, der wird staunen:

 

  1. Lt. Nachrichtenmagazin Focus und auch den Statistiken der Automobilklubs ist Autofahren eine sehr kostspielige Angelegenheit: Wer auf Carsharing umschaltet, der vermeidet den Fixkostenblock eines Neufahrzeugs. Der ADAC gibt beispielsweise die monatlichen Kosten einer Limousine mit über 1.000 Euro an. In den 240 Monaten vom Alter 20 bis 40 (=20 Jahre) sind dies 240.000 Euro! Die als Kapitalstock für die Frühverrentung dienen könnten. Wer mag, der kann sich auch direkt die durchschnittlichen Neufahrzeugpreise ansehen: Weit jenseits 31.000 Euro.
  2. Kein demonstrativer Konsum! Auch viele andere Ausgaben fressen sehr viel Kaufkraft – ohne wirklich viel an Lebensqualität beizutragen. Wer beispielsweise an eine Flasche Champagner für 100 Euro oder an ein Fünf-Gänge-Menü in einem edlen Restaurant denkt, der hat eine Vorstellung davon wie schnell eine dreistelliger Euro-Betrag in wenigen Stunden ausgegeben ist
  3. Ranklotzen mit Überstunden oder Wochenendarbeit: Bei vielen tarifgebundenen Unternehmen laufen die Uhren am Wochenende und abends schneller. Heißt: Pro Arbeitsstunde werden 50 % oder 100 % mehr bezahlt. Damit könnte man als Doppel- oder Einzelverdiener den Einnahmenturbo einschalten. Und in gleicher Arbeitszeit mehr Geld verdienen. Mit 40 in Rente gehen könnte wahr werden.
Mit 40 in Rente gehen ist deshalb manchmal durch eine Kombination aus Einnahmenerhöhung und sinnvollen Ausgabenreduzierung möglich.

Video: Wie kann ich mit 40 in Rente gehen? | ZDF WISO

Die richtige Anlagestrategie ermöglich die frühe Rente – vielleicht „gepimpt“ durch eine Teilzeitstelle

Zusätzlich sollte während der Ansparphase von zwanzig Jahren der Renditeeffekt und natürlich auch während der Rentenphase bzw. das Wachstum bei Geldanlagen nicht vernachlässigt werden. Mit einer gebühren- und renditefressenden Geldanlage in Festverzinslichen scheint das Ziel der frühen Rente nicht erreichbar zu sein. Weil in der Niedrigzinsphase dort kein Wertzuwachs erzielt werden kann. Eine breit diversifizierte Anlage in Aktien scheint deshalb unabdingbar zu sein.

Die Betrachtungen beispielsweise des Deutschen Aktieninstituts zeigen interessante Vergangenheitswerte, bei denen Renditen in einem hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich möglich waren. Diese sind für den Vermögensaufbau und ein langsames Abschmelzen des Angesparten wesentlich. Eine andere Variante – auch im Hinblick auf Mindestzahlungen an die Krankenkasse attraktiv – wäre dass einer der beiden Partner weiterhin in Teilzeit arbeitet.

Berater Tipp

Mit 40 in Rente gehen – Interessantes Gedankenmodell mit Spielcharakter

Auch wenn vielen Menschen Arbeit und Beruf viel Spaß machen, so kann man durchaus auch Einiges von den Gedankenspielen einer doch sehr frühen Verrentung lernen. Denn: Arbeit kann ein interessanter Mittelpunkt des Lebens sein, weil man mit anderen Menschen etwas Erreichen kann und auch die Struktur und Planbarkeit der Abwechslung zwischen Anspannung und Freizeit etwas Ordnendes haben. Deshalb werden die meisten Leserinnen und Leser wahrscheinlich die „40er-Rente“ nicht übernehmen wollen, aber einige Gedanken zum Ausgabeverhalten – die haben schon was. Deshalb wird dieser Artikel sicherlich eine interessante Inspiration sein und zum Nachdenken anregen. Egal ob Millenials oder schon lange Im Beruf. Der Blick auf unterschiedliche Ideen der Verteilung von Freizeit und Arbeitszeit kann neue Horizonte öffnen.

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