Der Gerichtsprozess um Uli Hoeneß hat die Debatte um die Steuermoral neu entfacht. Obwohl die Regierungen vieler Länder Maßnahmen in die Wege geleitet haben, um Steueroasen trocken zu legen, gibt es immer noch zahlreiche Flecken weltweit, in denen man sein Geld günstig „parken“ kann.

Das als unabhängige Institution anerkannte Tax Justice Network (TJN) veröffentlicht einmal jährlich den sogenannten Schattenfinanzindex, in dem die größten Steuerparadiese der Welt ausgewiesen werden.

In die Berechnung fließen die Intransparenz der Unternehmen und Banken in den jeweiligen Ländern ebenso ein wie die Maßnahmen der Regierungen, Steuergesetze umzusetzen und Steuervergehen aufzudecken.

Dies alles wird mit dem Anteil der einzelnen Länder an den grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen weltweit verrechnet. Deutschland landete 2013 auf Platz acht. Hier sind die Top 5.

 

Platz 5: Singapur (1216,9 Punkte im Schattenfinanzindex)

Singapur gilt als kommender Hot Spot für Steuerflüchtlinge, weil einerseits 50 internationale Großbanken in dem Tigerstaat ihr Asien-Hauptquartier aufgeschlagen haben und andererseits der Arm der EU-Steuerermittler nicht bis dorthin reicht. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht können die EU-Staaten keinen Druck ausüben, weil Singapur den Löwenanteil seiner Handelsgeschäfte mit den USA und China abwickelt und nicht an Europa gebunden ist.

Platz 4: Cayman Islands (1233,6 Punkte)

Die Cayman Islands in der Karibik sind der Inbegriff des Steuerparadieses. Obwohl die Inseln nicht einmal 50.000 Einwohner zählen, sind dort rund 200.000 Unternehmen registriert – wenngleich man in den wenigsten Fällen mehr als einen Briefkasten antreffen dürfte. Die Beliebtheit der Cayman Islands lässt sich leicht erklären: Auf den Inseln herrscht Steuerfreiheit. Pikant: viele internationale Großbanken unterhalten dort eine Filiale.

Video: Steueroasen kurz erklärt

Platz 3: Hongkong (1283,4 Punkte)

Die ehemalige britische Kronkolonie, die seit 1997 wieder zu China gehört, gilt das Steuerparadies der reichen Chinesen. Während im Rest des Landes eine rigide Finanzpolitik herrscht, floriert das Geschäft in der Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt. Das hat Gründe: Das Bankgeheimnis ist gesetzlich verankert. Einkünfte und Erträge müssen nur dann versteuert werden, wenn sie auch in Hongkong entstanden sind. Weiterhin erhebt Hongkong keine Quellensteuer.

Platz 2: Luxemburg (1454,5 Punkte)

In dem kleinen Großherzogtum, das kaum mehr als eine halbe Million Einwohner zählt, spielen sich zwölf Prozent der Finanz-Interaktionen weltweit ab – einen höheren Wert verzeichnen nur die USA und Großbritannien. Bislang wahrt Luxemburg strikt das Bankgeheimnis. Aktieneinkünfte und Spekulationsgewinne mit Derivaten sind noch steuerfrei. Allerdings könnten die Tage als Steueroase bald gezählt sein, weil sich das EU-Mitglied auf internationalen Druck hin verpflichtet hat, von 2015 an Bankdaten von Kunden an ausländische Steuerbehörden zu übermitteln.

Berater Tipp

Platz 1: Schweiz (1765,3 Punkte)

Die Formel-1-Stars Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen leben in der Schweiz, Ex-Fußballstar Günter Netzer und fast die komplette französische Tenniselite um Jo-Wilfried Tsonga und Gael Monfils ebenfalls. Das dürfte nicht nur landschaftliche, sondern auch finanzielle Gründe haben: Großverdiener können in der Schweiz nämlich ihren Steuersatz von Kanton zu Kanton pauschal mit der zuständigen Finanzdirektion aushandeln. Daneben lebt die Schweiz weiterhin von ihren berühmten Banken, die seit jeher für maximale Diskretion stehen. Diese ist trotz Steuer-DVDs kaum in Gefahr, weil die Schweiz beharrlich politische Neutralität wahrt und weiterhin keine Mitgliedschaft in der EU anstrebt.

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