Bis zum Erreichen des 67. Lebensjahres tagtäglich arbeiten zu gehen? Frugalistinnen und Frugalisten verfolgen da einen anderen Plan: Sie wollen so früh wie möglich finanziell unabhängig sein, um das zu tun, worauf sie Lust haben.

Frugalismus – Mit 40 finanziell unabhängig sein

Die Idee des Frugalismus‚ ist vor allem als Folge der Finanzkrise ab 2007 in den USA entstanden. Doch auch in europäischen und anderen hochentwickelten Ländern hat sich jene Idee verbreitet. Die Bedeutung des Begriffs Frugalismus leitet sich vom englischen Wort frugal ab und bedeutet etwa „genügsam“, „sparsam“. Das verfolgte Ziel ist die möglichst frühe finanzielle Unabhängigkeit von dem Einkommen. Es wird also angestrebt, möglichst früh nur von dem angesparten Vermögen leben zu können. Außerdem werden als Reaktion auf die Kreditwirtschaft, Kredite abgelehnt – ebenso wie der hemmungslose und verantwortungslose Konsum.

Nach dem Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit geht es nicht unbedingt darum, nicht mehr zu arbeiten und den ganzen Tag zu faulenzen. Stattdessen kann die Unabhängigkeit dazu genutzt werden, eine Tätigkeit zu verfolgen, die Freude und Erfüllung bringt – unabhängig davon, wie viel diese Tätigkeit finanziell einbringt.

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Wie kann die finanzielle Unabhängigkeit mit 40 Jahren erreicht werden?

Ein wesentlicher Teil des Vermögens wird mit Hilfe von Investitionen geschaffen. Investiert wird in Anleihen, Fonds und Immobilien. Die daraus generierten Dividenden, Zinseinnahmen und Mieteinnahmen dienen zum Aufbau des Vermögens. Weitere mögliche Ansätze, um ein Vermögen aufzubauen, sind folgende:

  • Ausgaben reduzieren
  • Sparen
  • Gebrauchte statt neue Dinge kaufen
  • Günstig wohnen
  • Verzicht auf Genussmittel wie bspw. Alkohol oder Zigaretten
  • Bewusster leben, das bedeutet, sich der immerwährenden Frage nach dem persönlichen Nutzen zu stellen. Muss es zum Beispiel so häufig die Pizza vom Lieferdienst sein? Oder ist der persönliche Nutzen nicht höher, wenn stattdessen mit frischen Zutaten selbst gekocht wird? Auf Dauer fördert das selbstständige Kochen nicht nur eine gesündere Ernährung, sondern es spart auch Geld.

Sparen muss nicht die Lebensqualität einschränken

Häufig wird Frugalistinnen und Frugalisten entgegen gebracht, dass das Sparen auch immer mit einer geringeren Lebensqualität verbunden ist. Doch dies ist ein Missverständnis. Ganz im Gegenteil kann das Führen eines bewussteren Lebens vielmehr eine höhere Lebensqualität bewirken. Denn alte Gewohnheiten werden hinterfragt. Zum Beispiel spart es nicht nur Geld, das Auto gegen ein Fahrrad auszutauschen, sondern die tägliche Bewegung ist auch hilfreich für die eigene Gesundheit.

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Bei vielen Frugalistinnen und Frugalisten führt das Hinterfragen von alten Gewohnheiten dazu, dass sie Geld sparen und gleichzeitig ihre Lebensqualität erhöhen. Die vorhandenen Euros werden effizienter eingesetzt. Ein günstiger Flug nach Neuseeland bringt beispielsweise vielleicht mehr Lebensfreude als ein neues und teures Sofa. Sicherlich gibt es auch Frugalistinnen und Frugalisten, die das Sparen übertreiben und deshalb nicht mehr viel Spaß am Leben haben. Doch dabei handelt es sich vielmehr um Geiz als um das Sparen an sich.

Frugalismus ist eine Möglichkeit, um bewusster zu leben

Frugalistinnen und Frugalisten wollen aus dem Hamsterrad der Arbeitswelt ausbrechen. Sie erwarten mehr vom Leben als dem tagtäglichen Trott zu folgen. Sie wollen frei sein und der Tätigkeit nachgehen können, auf die sie Lust haben. Um sich den Luxus der Selbstbestimmtheit möglichst früh leisten zu können, investieren und sparen Frugalistinnen und Frugalisten. Das Sparen ist nicht mit Verzicht auf Kosten der Lebensqualität gleichzusetzen. Stattdessen ist es das Ziel, die Lebensqualität durch ein bewussteres Leben zu erhöhen.

Titelbild: ©iStock.com – RomoloTavani