Als Anfang April 2016 die sogenannten Panama Papers an die Öffentlichkeit gelangten, war die Empörung über das Geschäft mit den Briefkastenfirmen in Steueroasen groß. Knapp eineinhalb Jahre später belegen die Paradise Papers, dass sich trotz des Aufsehens nicht viel an dem Geschäftsgebaren von Multimillionären und internationalen Konzernen geändert hat.

Das Material stammt dieses Mal aus mehreren Quellen

Es sind insgesamt 1,4 Terabyte an Daten, die durch die Paradise Papers auf einem unbekannten Weg an die Öffentlichkeit gelangten. Sie umfassen etwa 13,4 Millionen Dokumente, die aus den Archiven namhafter Anwaltskanzleien stammen.

Im Unterschied zu den Panama Papers stammen diese nicht aus einem einzigen Leck oder auf englisch Leak, sondern beinhalten Material aus insgesamt 21 unterschiedlichen Quellen. Entsprechend größer ist auch die Anzahl der betroffenen Anwaltskanzleien.

Listeten die Panama Papers lediglich Kunden des in Mittelamerika sitzenden Dienstleisters Mossack Fonseca auf, enthalten die Unterlagen diesmal Prominente, Milliardäre und Konzerne, die über die Bermudas, die Cook-Inseln, Singapur oder dem EU-Mitglied Malta ihre Geschäfte abwickeln.

Oft unmoralisch aber nicht immer illegal

Grundsätzlich ist es jedem Menschen erlaubt, in einer der beteiligten Länder eine Firma zu gründen oder ein Konto zu führen. Problematisch wird es allerdings, weil es dazu praktisch eigentlich keinen nachvollziehbaren Grund gibt – es sei denn, das Vorhaben dient dazu, Vermögen aus offiziellem und nachprüfbarem Besitz zu verschleiern .

Nicht ohne Eigeninteresse unterhalten die beteiligten Rechtsanwaltskanzleien wie Appleby mit Sitz auf der europäischen Isle of Man oder Asiaciti Trust aus Singapur Filialen in zahlreichen Ländern, die für ihre Intransparenz bei finanziellen Geschäften bekannt sind. Auch das ist natürlich nicht verboten, macht aber wiederum nur dann einen Sinn, wenn eine maximale Diskretion erwünscht ist. Das ist in der Regel bei einer Umgehung von Steuern, der Geldwäsche aus illegalen Einkommen oder bei dem Verstecken des eigenen Vermögens – ob vor dem Staat oder dem eigenen Ehepartner – der Fall.

Politiker und Prominente aus mehr als 50 Ländern sind betroffen

Wie bereits bei den Panama Papers, die unter anderem den isländischen Ministerpräsidenten zu Fall brachten, könnten auch die Paradise Papers zahlreiche Politiker, Geschäftsleute und Privatpersonen in Bedrängnis bringen. Zu den Kunden der jetzt veröffentlichten Papiere zählen unter anderem:

  • Weltweite Konzerne wie Apple, Facebook, Microsoft, Twitter, Ebay, McDonald’s, Nike und Walmart
  • Deutsche Unternehmen inklusive Siemens, Sixt, Allianz, Bayer, Deutsche Bank und die Deutsche Post
  • Prominente wie Nicole Kidman, Lewis Hamilton, Madonna, Shakira, Justin Timberlake oder der auch der Vergewaltigung beschuldigte Hollywood-Produzent Harvey Weinstein
  • Politiker inklusive dem deutschen Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem ehemaligem Premierminister Japans Yukio Hatayama, Queen Elisabeth II., Argentiniens Finanzminister Luis Caputo, US-Handelsminister Wilbur Ross und Ellen J. Sirleaf, Präsidentin von Liberia

Video: Paradise Papers erschüttert Offshore-Welt

Es handelt sich dabei bislang nur um Beteiligte, bei denen die verantwortlichen Journalisten aus 67 Ländern ein öffentliches Interesse an deren Aktivitäten erkennen konnten. Insgesamt umfassen die bisherigen Recherchen allein mehr als 120 Politiker – darunter auch Staats- und Regierungschef – und eine ungenannte Zahl an Geschäftsleuten, denen eine direkte Verbindung mit der Politik nachgewiesen werden kann.

Die Analyse der Daten dauert weiter an

Mehr als 380 Journalisten des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) waren mehr als ein Jahr mit der Auswertung der Paradise Papers beschäftigt. Trotzdem ist mit weiteren Enthüllungen zu rechnen, da bislang nur ein Bruchteil der verfügbaren Informationen gesichtet und veröffentlicht wurde.

In vielen Ländern der Erde bergen die Erkenntnisse sowohl eine politische wie auch eine soziale Sprengkraft. Politisch dürften die Enthüllungen zu einem zusätzlichen Druck auf sogenannte Steueroasen und Banken führen, die unter anderem auch in Europa die Umgehung von Abgaben ermöglichen.

Titelbild: ©istock.com – 10255185_880