Noch sind die genauen Hintergründe und Verantwortlichkeiten im Abgas-Skandal bei Volkswagen nicht klar. Fast täglich treffen den Wolfsburger Autokonzern neue Hiobsbotschaften. Eins steht aber jetzt schon fest: die finanziellen Folgen werden gravierend sein und viele Milliarden Euro ausmachen.

Aufklärung und Aufarbeitung erst am Anfang

Der Wechsel an der Vorstandsspitze von Martin Winterkorn zu Porsche-Chef Matthias Müller bedeutet nur einen ersten Schritt bei der Aufklärung und Aufarbeitung des beispiellosen Vorgangs, der das Image von VW und darüber hinaus der deutschen Autoindustrie hinaus beschädigt hat. Die finanziellen Konsequenzen des ruinierten Rufs lassen sich noch kaum abschätzen. Aber auch bei den unmittelbaren finanziellen Folgen sind derzeit überwiegend nur Mutmaßungen möglich.

Dennoch – es gibt mehr als nur Anhaltspunkte dafür, dass auf Volkswagen milliardenschwere Forderungen zukommen werden. Sie werden die Bilanz des Konzerns auf Jahre hinaus belasten. Bisher konzentriert sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die USA und – in gewissem Umfang – auch Kanada. Aber wahrscheinlich ist der Skandal nicht nur auf diesen Raum begrenzt. Weltweit soll die Manipulations-Software in insgesamt 11 Millionen Dieselfahrzeugen eingebaut worden sein, in Deutschland sind alleine 2,8 Millionen VW-Autos betroffen.

Video: Porsche-Chef Matthias Müller führt künftig den VW-Konzern

Dutzende von Sammelklagen in den USA und Kanada

6,5 Milliarden Euro hat der Volkswagen-Konzern bereits in Reaktion auf „Dieselgate“ im laufenden Quartal zurückgestellt und eine entsprechende Gewinnwarnung herausgegeben. Der Kurs der VW-Aktie brach nach Bekanntwerden des Skandals dramatisch ein. Dabei dürfte diese Milliarden-Summe nur der Anfang sein. Mögliche Strafzahlungen aufgrund der betrügerischen Manipulation bei Abgas-Tests sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Die Rückstellung ist vielmehr als Vorsorge für Prozessrisiken, notwendige Rückrufaktionen und Maßnahmen zur Imageaufbesserung gedacht.

Berater Tipp

VW muss sich auf mehrere Dutzend Sammelklagen einstellen

Dass Prozesse auf den VW-Konzern zukommen werden, ist schon sicher. Bereits mehrere Dutzend Sammelklagen wurden in den USA und Kanada von privaten VW-Käufern eingereicht. Insgesamt hat der Konzern in den USA rund 482.000 manipulierte Dieselfahrzeuge abgesetzt, in Kanada waren es 100.000. Es könnten daher noch zahlreiche weitere Klagen folgen. Wer die zum Teil bizarre US-Rechtsprechung bei Produkthaftungsfällen kennt, mag das finanzielle Risiko ermessen, mit dem Volkswagen in diesem Zusammenhang rechnen muss.

18 Milliarden Dollar Strafe – möglich, aber nicht zwingend

Hohe Strafzahlungen kommen sehr wahrscheinlich außerdem hinzu. Pro manipuliertem Fahrzeug kann die US-Umweltschutzbehörde NEA eine Maximalsstafe von 37.500 Dollar verhängen. Bei 482.000 betroffenen Dieseln in den Vereinigten Staaten macht das gut 18 Milliarden Dollar aus. Diese Zahl wird derzeit in den Medien immer wieder kolportiert. Ob die Umweltbehörde tatsächlich das höchstmögliche Strafmaß ausschöpfen wird, steht derzeit allerdings noch völlig in den Sternen. Viel dürfte auch von der Kooperationsbereitschaft und dem Verhalten von VW bei der Aufklärung abhängen. Daher ist die Hoffnung, dass die Strafe nicht ganz so hoch ausfallen könnte, nicht ganz unberechtigt. Eine weitere Baustelle sind die inzwischen eingeleiteten strafrechtlichen Ermittlungen des US-Justizministeriums. Auch hieraus könnten noch finanzielle Folgeschäden entstehen.

Skandal nicht auf USA begrenzt

Die USA und Kanada bilden aber wahrscheinlich noch längst nicht das Ende der Affäre. Die in Rede stehenden Wagen stellen nur gut fünf Prozent der insgesamt betroffenen Dieselfahrzeuge weltweit dar. Mögliche weitere finanzielle Lasten aus anderen Ländern können daher ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. In den vergangenen Jahren konnte der VW-Konzern dank guter Geschäftslage eine gigantische Barreserve von 25,7 Milliarden Euro aufbauen. Die Substanz des Unternehmens scheint daher trotz des Skandals und seiner Folgen nicht gefährdet. Der Autobauer wird die zurückgelegten Mittel aber dringend brauchen können.

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