Frauen und Männer sind nicht nur vor dem Gesetz gleich, sie haben ähnliche oder gleiche Bildungsabschlüsse, Führungskompetenzen und Qualifikationen. Trotzdem sind die Frauen in Führungspositionen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen stark unterrepräsentiert. Was hält sie von einer Karriere ab?

Frauen nur vereinzelt auf dem Chefsessel

Obwohl die Frauen über die Hälfte der deutschen Bevölkerung ausmachen und in vielen Berufen arbeiten, sind Frauen in Führungspositionen immer noch nicht so oft zu finden. Auf der ersten Führungsebene, die Vorstand, Geschäftsführung und Hauptabteilung umfasst, sind sie zu ca. 25 Prozent zu finden. In der zweiten Führungsebene, die sämtliche der Hauptabteilung nachgeordnete Abteilungen beinhaltet, sind sie zu ca. 35 Prozent vertreten. Besonders markant tritt diese Diskrepanz im großen Vergleich ans Licht. Während 10 Prozent aller berufstätigen Männer eine Führungstätigkeit ausüben, liegt die Quote bei allen berufstätigen Frauen lediglich bei 4 Prozent. Noch dazu variiert die Anzahl von Frauen in Führungsverantwortung stark nach Branchen. Sie sind vor allem in zahlreichen Chefetagen des Sozial- und Gesundheitswesens und der privaten Dienstleister anzutreffen. Im Bereich von Banken und Versicherungen sitzen Frauen lediglich vereinzelt auf dem Chefsessel.

Ungleiche Chancen trotz gleicher Qualifikationen

Frauen sind in keiner Weise schlechter qualifiziert als ihre männlichen Kollegen. Mehr Frauen als Männer legen das Abitur ab, selbst bei den Hochschulabschlüssen haben die Frauen die Männer bereits überholt. Sie haben ausbildungsbezogen keinen Rückstand. Trotzdem gibt es einige Faktoren, die die Karriere von Frauen in Führungspositionen wesentlich beeinflussen:

  • Lange Zeit prägten die Männer Arbeitsmarkt und Führungsebenen. Es entstand die Vorstellung, eine erfolgreiche Karriere könne nur auf der männlichen Erfahrung mit ununterbrochener Erwerbstätigkeit beruhen.
  • Führungskräften werden typisch „männliche“ Eigenschaften zugeschrieben, z.B. Dominanz, Autonomie und Selbstsicherheit. Das hat immer noch zur Folge, dass Führungsfähigkeit eher Männern als Frauen zugeschrieben wird.
  • Die Zuschreibung von Eigenschaften durch männliche Arbeitgeber spielt ebenfalls eine große Rolle. So werden sie gar nicht als neue Führungskräfte in Betracht gezogen, weil ihnen per Vorurteil schlechte Selbstdarstellung, mangelndes Selbstbewusstsein und fehlendes Durchsetzungsvermögen attestiert wird.
Berater Tipp
Die Sozialforschung bezweifelt schon länger, dass Frauen schlechtere Führungseigenschaften als Männer mitbringen. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Persönlichkeit hin.

Männerkultur setzt weiterhin Grenzen

Zur Verhinderung von Frauen in Führungspositionen trägt neben den bereits beschriebenen Fakten die weiterhin vorherrschende Männerkultur bei. Die funktioniert relativ einfach. Der Mann wird durch seinen männlichen Vorgesetzten gefördert, Frauen werden dadurch gar nicht erst in Betracht gezogen. Dieser Vorgang erzeugt die männliche Statussicherung, erhält die männliche Kernbelegschaft in der Führungsebene und manifestiert die Männerdominanz. Frauen in Führungspositionen werden als Minderheit wahrgenommen. Sie kommen zudem nicht in bestimmte informelle Runden, in denen sich Karrieren aufbauen. Das wären unter anderem der Kneipenbesuch, männertypische Freizeitaktionen und diverse Wochenendausflüge. Dazu kommt noch, dass der Aufstieg in die Führungsspitze zumeist im vierten Lebensjahrzehnt stattfindet. Hier bekommen die Frauen Kinder oder widmen sich der Erziehung. Sie können nur bedingt arbeiten und werden so bei der Besetzung der Positionen übergangen.

Chancen für Frauen könnten besser sein

Auch in der Gegenwart haben es Frauen in Führungspositionen schwer. Männer besitzen immer noch die besseren Chancen zum Aufstieg, das liegt vor allem in der von der Geschichte her männergeprägten Arbeitswelt. Trotzdem hat sich die Situation schon langsam gewandelt. Bevor Frauen und Männer an der Führungsspitze gleichberechtigt agieren, werden jedoch noch viele Jahre vergehen.<

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