Niemand freut sich beim Tod eines lieben Menschen. Doch wenn die Trauerzeit vorbei ist und die Gefühle wieder gesammelt sind, dann folgt oft der Gang zum Notar. Denn in Deutschland treten jährlich mehr als eine Millionen Erben den Nachlass eines Verstorbenen an.

Erben in Deutschland: Wofür geben Nachlassempfänger das Geld aus?

Das Durchschnittsalter eines Erben liegt in Deutschland zwischen 40 und 65 Jahren. Die Summe, die im Durchschnitt an den Empfänger des Nachlasses übergeben wird, liegt bei 100.000 Euro. Ein nicht geringer Teil des vererbten Geldes wurde zuvor in Immobilien investiert und ist demnach nicht so einfach verfügbar. Zudem muss der Erbe eine Nachlasssteuer entrichten, die derzeit zwischen sieben und 50 Prozent liegt. Firmenerben können Sonderregeln für sich beanspruchen.

In einer Niedrigzinsperiode, wie sie derzeit vorliegt, fällt es vielen Hinterbliebenen schwer, zu entscheiden, was mit dem geerbten Vermögen geschehen soll. Zudem kann es nach der Erteilung des Erbscheins noch einige Zeit dauern, bis das Geld auf dem eigenen Konto ist. Falls bis dahin noch nicht geklärt ist, was mit dem Erbe zu tun ist, bringen Erben den Nachlass zwischenzeitlich am besten auf einem Tagesgeldkonto unter. In der Zeit des Wartens bleibt genügend Zeit, um das richtige Geldinstitut zu finden, bei dem ein paar Zinsen mehr gezahlt werden.

Zurzeit bieten einige Banken etwas über ein Prozent Zinsen auf das Tagesgeldkonto an. Ein Prozent von einer größeren Summe Geld kann immerhin schon ein paar Hundert Euro pro Jahr einbringen. Diese Geldvermehrung streichen viele Erben in Deutschland gerne ein, bis sich eine bessere Lösung für die Verwendung des Vermögens gefunden hat.

Video: Wie funktioniert das deutsche Erbrecht?

Schulden bezahlen

Erben in Deutschland überlegen bei der Übergabe einer größeren Geldsumme in erster Linie, ob es sinnvoll sein kann, laufende Kredite abzulösen. Dabei achten die Nachlassnehmer jedoch verstärkt auf die bestehenden Vertragsmodalitäten. Falls es Klauseln gibt, nach denen eine Abschlagssumme bei der vorzeitigen Ablösung des Kredites bezahlt werden muss, nehmen viele Hinterbliebenen jedoch lieber Abstand davon und bezahlen das Darlehen besser regulär ab.

Erben, die jedoch für ein überzogenes Konto hohe Zinsen aufbringen müssen, lösen den Dispokredit mit dem vollen Erbe oder einem Teil des Nachlassvermögens aus. Erben investieren den Nachlass ebenso häufig in die eigene Immobilie. Dadurch werden die eigenen vier Wände schneller schuldenfrei. Doch auch hier sollte geprüft werden, ob Sondertilgungen möglich sind. Häufig wird von dem Erbe auch einfach nur der lang ersehnte Neuwagen angeschafft.

Berater Tipp

Die häufigsten Verwendungsarten für das Erbe

  • kurzzeitiges Parken auf dem Tagesgeldkonto
  • Ablösung von Krediten
  • Abzahlung des Dispositionskredites
  • Immobilienfinanzierung oder Ablösung der Immoblie/Sondertilgung
  • Autokauf
  • Finanzierung der eigenen Rente
  • Kauf oder Finanzierung einer Immobilie fürs Alter

An die eigene Rente denken

Nachlassempfänger, die noch im Berufsleben tätig sind und in den Genuss einer größeren Erbschaft gekommen sind, nutzen oft die Möglichkeit, die eigene Altersvorsorge aufzubessern. Erben in Deutschland nutzen dafür langfristige Geldanlagen oder private Rentenversicherungen, die gegen die Zahlung eines Einmalbetrages abgeschlossen werden können.

Durch die einmalige Zahlung von 50.000 Euro kann beispielsweise ein 60- jähriger Mann bereits eine sofortige Zusatzrente von rund 150 Euro erhalten.

Bei einer hohen Lebenserwartung kann das ein durchaus gutes Geschäftsansinnen sein. Jüngere Erben in Deutschland haben oft eine bessere Idee und investieren das geerbte Vermögen in ein Altersdomizil zu ebener Erde. Diese kann bereits mit einem geringen Eigenkapitalsanteil sowie einem günstigen Immobilienzins erworben werden. Bis zum Alter kann die Immobilie vermietet werden und die Kosten amortisieren sich dadurch fast von selber.

Fazit: Trotz niedriger Zinsen gute Investitionsmöglichkeiten

Heutzutage gibt es für Erben einige gute Möglichkeiten, Kapital sinnvoll zu investieren. Auch in Zeiten von niedrigen Zinsen gewinnen Nachlassempfänger durch geschicktes Taktieren aus dem geerbten Geld einen Vorteil für die Abzahlung bestehender Kredite, zur Immobilienfinanzierung oder zur Altersversorgung.

Titelbild: ©istock – Stadtratte