In den letzten Jahren hat die Europäische Zentralbank die Zinsen so weit gesenkt, dass eine Geldanlage in festverzinsliche Wertpapiere erheblich an Attraktivität verloren hat. Wer genau nachrechnet, der wird sehen: Ein Vermögensaufbau ist damit nur noch in den seltensten Fällen verbunden. Als Alternative bewähren sich zunehmend Sachwerte und -investitionen. Dies hat in einigen Ballungsräumen einen Immobilien-Boom ausgelöst, so dass sich viele fragen: Lohnt sich eine Investition überhaupt noch?

Immobilien sollten als bedeutendste Investition des Lebens betrachtet werden

Wer sich die Immobilienanzeigen in den Zeitungen oder Online-Portalen ansieht, der wird neben den reinen Fakten der Immobilie (wie Quadratmeterzahl, Lage und Art) auch vieles finden, was die Emotion und Zahlungsbereitschaft des Immobilienkäufers ansprechen soll. Von diesem Teil sollte sich der Käufer lösen und ganz unabhängig von Selbstnutzung oder Vermietung auf die Kennzahlen und die Substanz achten.

Wie viele Quadratmeter hat die Immobilie, wie sieht die Vergleichsmiete aus? So lauten die ersten Fragen um nachzuvollziehen, ob eine Immobilie günstig oder schon zu teuer ist. Gegenüber dem zu zahlenden Kaufpreis und dessen Verzinsung ist natürlich die Miete gegenzurechnen, die mit dem Investment eingespart oder bei Fremdvermietung bezahlt werden soll.

Video: Immobilien – Boom oder Blase?

Der Planungshorizont bei Immobilien: Zehn und mehr Jahre gehen

Beim Kauf einer Immobilie stößt der Käufer auf ganz unterschiedliche Kalkulationen und Preisvorstellungen selbst innerhalb einer Stadt oder einer Region. Grundsätzlich sollte die Investition aber langfristig betrachtet werden: Die Immobilie soll nicht nur heute, sondern auch noch in zehn und mehr Jahren sowohl einen Wohn-, als auch einen Investitionswert haben.

Berater Tipp
Deshalb sollte sich der Käufer fragen: Welche Immobilie kann in zehn Jahren optimal sein, wie groß wird dann die Familie sein? Und wiegen die Fahrzeiten und -kosten nicht vielleicht den Vorteil einer großen Immobilie auf dem Land auf? Der Käufer sollte sich die Infrastruktur gut ansehen: Wo gibt es Möglichkeiten zum Arbeiten und Einkaufen, wo sind die weiterführenden Schulen und wie ist die Verkehrsanbindung.

Beliebtes Investmentobjekt für die spätere Rentenphase

Ein weiterer Vorteil bei Immobilien trägt zur steigenden Beliebtheit und einer bis jetzt robusten Preisentwicklung bei: Sie ist ideal für die private Altersvorsorge geeignet und vermeidet lebenslang Mietzahlungen, so dass als Belastung lediglich die Betriebskosten und Zusatzkosten einer Immobilie anfallen. Ob sich der Immobilienkauf lohnt, kann jeder mit einer einfachen Tabelle sehr gut hochrechnen: Wie viel Miete würde in den nächsten Jahren gezahlt werden und ist dieser Betrag nicht doch besser in der Immobilie aufgehoben? Im Endeffekt muss beim Nachrechnen bedacht werden, dass Mietzahlungen dem Vermögensaufbau des Vermieters und nicht dem eigenen Vermögen dienen.

Lohnt sich der Immobilienkauf: Es kommt darauf an!

Leider sind die Immobilien nicht so einfach zu bewerten wie eine klassische Geldanlage oder ein Investment-Fonds. Deshalb gibt es auch keine wirklich für alle Immobilien und alle Anleger klare Schlussfolgerung, ob sich der Immobilienkauf tatsächlich lohnen wird. Auf alle Fälle sollte der Immobilienkäufer in sich gehen und fragen, was er wirklich möchte und wie auch seine Zeitpräferenz sieht. Möchte jemand gleich und in jungen Jahren viel erleben, dann ist eine Immobilie, die während der Abzahlungsphase etwas einschränkt vielleicht nur eine der Alternativen.

Lebt der Immobilienkäufer in einer Region, die vielleicht wirtschaftlich nicht so stark ist, dann kann es durchaus auch eine Tendenz zu günstigeren Immobilienpreisen in der Zukunft geben. Alles in allem sollte diese wichtigste Investition des Lebens gründlich durchgeplant werden. Dabei sollten nicht nur Immobilienexperten oder die finanzierende Bank zu Rate gezogen werden. Gute Bekannte und Verwandte können ebenso aus eigener Erfahrung als Mieter oder Eigentümer berichten und welche Fallstricke oder Chancen der jeweiligen Eigentumsform damit jeweils verbunden sind.

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