Der Dezember eines jedes Jahres ist ein guter Anlass, die Geschehnisse des Jahres Revue passieren zu lassen. In der Finanzbranche hatte für 2019 vermutlich kein Experte große Erwartungen für eine positive Entwicklung des Zinsmarktes. Als besonders wichtige Themen galten der Brexit oder der Handelskrieg zwischen China und Amerika. Doch dann stellte sich am 12. September 2019 ein kleiner Wendepunkt ein, als die EZB – die Europäische Zentralbank – die Einlagefazilität um zehn Prozentpunkte reduzierte und außerdem ein neues Anleiheprogramm für über 20 Milliarden Euro vorstellte. Die Resonanz auf diese Entwicklung war alles andere als positiv. Der deutsche Sparer wird enteignet, diese kritischen Worte ertönten in der deutschen Medienlandschaft. Doch setzt sich ein ähnlicher Trend auch 2020 fort?

Ein Personalwechsel zu Beginn des Jahres 2019

Direkt zu Beginn des Jahres 2019 vollzog sich an der Spitze der EZB ein personeller Wechsel. Dabei begrüßten es viele Marktteilnehmer positiv, dass Mario Draghi durch die neue Chefin Christine Lagarde ersetzt wurde. Generell ist jedoch davon auszugehen, dass die einstige Präsidentin des Internationalen Währungsfonds auch weiterhin die geldpolitischen Maßnahmen von Mario Draghi fortsetzen wird.

Diesen Eindruck erweckt ihre bevorzugte Führungsweise. Denn erst kürzlich gab Lagarde im Rahmen einer großen Pressekonferenz zu verstehen, auf welche geldpolitischen Entscheidungen sich der EZB-Rat geeinigt hat.

Berater Tipp

Die Inflation entscheidet maßgeblich über die Zinshöhe

Inwiefern die Zinsen nun ansteigen oder nicht, ist letztendlich aber auch eine Frage der Inflation. Wirft man allerdings einen Blick auf die Preisentwicklung des vergangenen Jahres, ist nicht von einem Anstieg des Zinsniveaus auszugehen.

Seit Ende 2018 reduzierte sich die Inflation bis zum heutigen Tag auf weniger als einen Prozentpunkt. Hierfür sind in erster Linie niedrige Energiepreise verantwortlich. Aktuell bewegt sich die Kerninflation mit Ausnahme der Energie- und Lebensmittelpreise sogar über der Inflation.

Somit belief sich die Kerninflation im Oktober auf 2,3 Prozent und bildete damit eine wichtige Grundlage für etwaige Zinsanpassungen. Dennoch wird die Eurozone auch in naher Zukunft auf das Inflationsziel von annähernd zwei Prozent verzichten müssen.

Denn laut Aussagen der EZB ist für das Jahr 2020 maximal von einer durchschnittlichen Inflationsrate von einem Prozent die Rede. Deshalb ist auch für 2020 von einem stagnierenden Zinsniveau auszugehen.

Video: Aktien, Anleihen & Zinsen: Was erwarten Sie für das Börsenjahr 2020, Manfred Gridl?

Alternative Anlageformen suchen

Wer deshalb nach einer spannenden Geldanlage sucht, wird auch 2020 nicht auf hohe Zinserträge hoffen müssen. Investoren müssen nach wie vor konservativen und renditestarken Anlageformen vertrauen, deren Vor- und Nachteile es abzuwägen gilt.

Deshalb ist es beispielsweise nach wie vor empfehlenswert, auf einen Ankauf von Gold und Edelmetallen zu vertrauen. Dieses Gold empfiehlt sich insbesondere als langfristige Geldanlage. Andere Optionen mit Sparpotential kommen wie folgt in Betracht:

  1. Bausparer: attraktiv verzinstes Geld wird zumeist für Renovierungen oder eine Baufinanzierung genutzt; Banken locken zum Teil mit lukrativen Prämien
  2. Sparplan: Vermögen durch regelmäßige monatliche Zahlungen ansparen; gängige Form ist Sparbuch; Sparpläne können aber auch mit Investitionen in Fonds oder Aktien verbunden werden
  3. Festgeld: feste Geldsumme wird über vereinbarten Zeitraum über längeren Zeitraum für eine vereinbarte Verzinsung angelegt
  4. Tagesgeld: lukrative Ergänzung zu Aktiendepot oder Festgeldverzinsung
  5. Immobilien: stabile Geldanlage (falls Zustand bzw. Lage der Immobilie positiv ist)
  6. Aktien: Rendite hängen von individuellen Unternehmensentwicklungen sowie Marktschwankungen ab; teilweise sind hohe Renditen erzielbar
  7. Anleihen: renditestark und dennoch sicher; räumt bestimmte Verzinsung über längeren Zeitraum ein
  8. Fonds: an der Börse gehandelte Wertpapiere; höhere Sicherheit durch Streuung
  9. ETFs: bei an der Börse gehandelten Fonds setzen Anleger auf passives Fondsmanagement
  10. Sachwerte: zum Beispiel durch Kunstwerke, Schmuck, Oldtimer oder Immobilien
  11. Derivate und strukturierte Finanzprodukte: bedarf profunder Sach- und Marktkenntnis

Wer auch 2020 nicht auf Ersparnisse durch Zinsen versetzen möchte, sollte sich deshalb für eine dieser Anlageformen entscheiden. In der Praxis hat sich eine Mischung mehrerer Anlageformen bewährt. Auch welche Methode letztendlich die Wahl fällt, hängt vom verfügbaren Kapital und der Risikobereitschaft ab.

Titelbild: © iStock – Stadtratte