Jahrelang kämpfte der Pfullendorfer Küchenhersteller Alno gegen die Insolvenz. Nun muss sich das börsennotierte Unternehmen geschlagen geben und reichte einen Antrag ein, um entsprechende Sanierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen.

Alno ist insolvent: Neuer Tiefpunkt erreicht

Alno ist insolvent. Der Vorstand des schwäbischen Traditionsunternehmens im Landkreis Sigmaringen konnte keine Einigung mit Investoren sowie Gläubigern erzielen, so die offizielle Mitteilung des Unternehmens. In der vergangenen Woche hat Alno beim Amtsgericht Hechingen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenregie beantragt. Anhand der vorliegenden Unterlagen klärt das zuständige Gericht nun, ob die Insolvenz in eigener Verwaltung zulässig ist.

Gibt das Gericht dem Antrag statt, kann die bisherige Führungsriege von Alno weiterhin im Amt bleiben und würde einen so genannten Sachwalter zur Seite gestellt bekommen. Dieser prüft die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und überprüft die Geschäftsleitung. Lehnt das Gericht den Antrag ab, wird Alno unter die Kontrolle eines Insolvenzverwalters gestellt. In diesem Fall wäre die Abwicklung oder die Zerschlagung des Unternehmens sehr wahrscheinlich.

Kritische Stimmten aus Gewerkschaftskreisen der IG Metall

Vertreter der IG Metall sehen die Insolvenz in Eigenregie kritisch. Michael Föst, zweiter Bevollmächtigter der Gewerkschaft, ist der Auffassung, dass einer der Großaktionäre zu viel in zu kurzer Zeit verlangt hätte und nun die Quittung bekomme. Aufgrund der Tatsache, dass die finanzielle Situation seit einigen Jahren bei Alno angespannt gewesen sei, war die Insolvenz abzusehen. Da Föst den neu entworfenen Sanierungsplan noch nicht kennt, wollte er sich zu dessen Erfolgsaussichten nicht äußern. Die Gefahr eines Stellenabbaus sei jedoch hoch, so Föst weiter.

Schließlich sei bereits jeder zehnte Arbeitsplatz im Unternehmen gestrichen worden und einige Teile der Buchhaltung nach Sarajevo ausgelagert worden.

Video: ALNO stellte Anfang 2017 die Küchentrends 2017 vor

Gericht entscheidet voraussichtlich zeitnah

Mit einer Entscheidung des Amtsgerichts Hechingen wird für den kommenden Donnerstag gerechnet, wie ein Sprecher mitteilte. Währenddessen hat sich der Großaktionär Tahoe dazu bereit erklärt, Alno Unterstützung für die geplanten Sanierungsmaßnahmen zu leisten. „Bedauerlicherweise“ hätten die Anstrengungen der letzten Jahre nicht das gewünschte Ergebnis gebracht, so die Beteiligungsgesellschaft in einer Mitteilung. Seit Beginn des Jahres besitzt Tahoe knapp 43 Prozent aller Alno-Anteile und besitzt ein großes Stimmrecht. Tahoe möchte zudem „im Rahmen“ gesetzlicher Möglichkeiten den Fortbestand des Unternehmens sicherstellen.

„Schockstarre“ bei den Mitarbeitern

Die Betriebsratsvorsitzende Waltraut Klaiber teilte den Medien mit, dass sich die Belegschaft in Pfullendorf „in Schockstarre“ befinde. Trotz aller widrigen Umstände zur Tatsache, dass Alno insolvent ist, schätzt die Arbeitnehmervertreterin die Chancen als gut ein, wenn gewinnbringende Bereiche erhalten bleiben und das Marketing sowie die Musterküchen-Produktion verschlankt werden.

Titelbild: ©istock – peshkov