In unserer Konsumgesellschaft gibt es viele Menschen, denen es schwer fällt, sich im gesetzten Rahmen ihres Kontos zu bewegen. In den meisten Fällen gewähren die Banken dann einen Überziehungskredit, der nicht selten in einer sogenannten Dispofalle endet. Aber warum lassen Banken so etwas überhaupt zu und was kann dagegen getan werden?

Überziehungskredite treiben Bankkunden in die Dispofalle

Wer kennt das nicht? Auf dem Girokonto ist am Ende des Monats nicht mehr viel Geld und die Waschmaschine muss unbedingt jetzt ihren Dienst verweigern. Für eine Reparatur oder gar eine neue Maschine reicht aber Geld nicht. Ein langfristiger Ratenkredit kommt nicht in Frage, da es sich nur um einen kurzfristigen, finanziellen Engpass handelt. Leider sieht die Realität anders aus. Der nächste Schritt ist der Weg zur Bank, die in der Regel einer Überziehung des Kontos bis zu einem bestimmten Betrag zustimmt.

Das oftmals überzogene Konsumverhalten ihrer Kunden ist den Banken wohl bekannt.

Dennoch gewähren Geldinstitute gerne einen Dispositionskredit, denn für die Bank handelt es sich aufgrund der hohen Zinsen (10,17 bis 13,97 Prozent) um ein durchaus lohnendes Geschäft. Für den Verbraucher endet diese Kontoüberschreitung allerdings häufig in der berüchtigten Dispofalle, denn das zusätzliche Geld reicht in vielen Fällen nicht aus und der Kunde rutscht erneut in die roten Zahlen.

Ist eine Umschuldung wirklich die bessere Lösung?

Ist auch der Dispo ausgeschöpft, empfehlen Banken den Überziehungskredit in einen zinsgünstigen Ratenkredit umzuschulden. Allerdings verschlechtert sich durch diese Transaktion der sogenannte Schufa-Score. Das bedeutet, die Umschuldung mindert die Bönität des Kunden. Allerdings ist fraglich, ob der Ratenkredit finanziell wirklich günstiger ist.

Hinsichtlich der Verzinsung ist ein Ratenkredit sicherlich günstiger als die zweistelligen Zinsen des Dispokredites. Doch bleibt es in der Regel nicht nur bei den Zinsen, denn Geldinstitute versuchen immer den Ratenkredit durch eine Restschuldversicherung für den Todesfall abzusichern.

Berater Tipp

Abschluss einer Versicherung

Ebenso gerne raten Banken ihren Kunden, die Rückzahlung des Kredites durch den Abschluss einer Versicherung für Krankentagegeld für den Fall einer plötzlichen Arbeitsunfähigkeit abzuschließen. Jedoch ist fraglich, ob damit die Kosten am Ende nicht den Zinsen des ursprünglichen Dispositionskredites entsprechen oder diese sogar überschreiten.

Wenn die Umschuldung zur Dispofalle wird

Allerdings reicht bei einem bestimmten Klientel häufig das Geld aus dem neuen Ratenkredit nicht aus. Die Lösung des Problems ist ein erneuter Überziehungskredit. Reicht auch der Dispositionsrahmen nicht, folgt in der Regel eine Aufstockung des Ratenkredites, der aufgrund der nunmehr schlechteren Bonität höher verzinst wird.

Zudem müssen die Zusatzversicherungen der neuen finanziellen Situation angepasst werden, was wieder mit höheren Ausgaben verbunden ist. Für die Bank bedeutet das einen höheren Gewinn, während sich der Kunde längst in der Dispofalle befindet.

Ohne Hilfe von außen ist das Problem nicht zu lösen

Die Erfahrungen von Verbraucherschützern haben gezeigt, dass der zweiten Umschuldung in vielen Fällen eine dritte oder sogar vierte folgt. Damit wird eine Kreditspirale geschaffen, aus der die meisten Kreditnehmer ohne Hilfe nicht mehr herauskommen. Um der Dispofalle zu entkommen ist der rechtzeitige Beistand eines Schuldnerberaters ein effektiver Lösungsansatz.

Aber auch in der Politik ist das Problem hinreichend bekannt, sodass zurzeit überlegt wird, die Banken gesetzlich zu verpflichten ihre Kunden über den Stand des Kontos beziehungsweise Dispos zu informieren und gegebenenfalls eine günstigere Lösung vorzuschlagen. Zwar haben diesbezüglich einige Banken ihr Interesse bekundet, aber dennoch werden die Bankhäuser sicherlich nichts einzuwenden haben, wenn sich mit der Lösung des Problems der Dispofalle Zeit gelassen wird.

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