Unabhängig von der Tatsache, wie hoch die Verzinsung auf festverzinsliche Wertpapiere ist, zeigt sich: Praktisch alle Wirtschaftsforscher und -experten stellen regelmäßig fest: Die Gesamtrendite eines Aktieninvestments ist langfristig höher und beinahe unschlagbar. Allerdings gibt es immer wieder spektakuläre Ausbrüche der Kurse nach oben oder unten, die nicht mit Zahlen oder der tatsächlichen Entwicklung erklärt werden können. Kann dabei – wie auf vielen anderen Märkten auch – die Börsenpsychologie eine Rolle spielen? Unsere Antwort lautet ja!

Börsenpsychologie im Schattenreich: Die Tricks der Verführer!

Eine sehr schillernde Variante bzw. Ausnutzung der Börsenpsychologie ist in diversen Newslettern verschiedener Anbieter zu finden, denen eines gemeinsam ist: Sie sind weder ein echter Broker oder Börsenhändler – oft nicht einmal eine seriöse Zeitung. Sie bewerben mit einer vollkommen überspitzten, übertreibenden Sprache vergleichsweise kleine Aktiengesellschaften und schreiben deren Geschäftstätigkeit gezielt und kurzfristig hoch. Ob es sich um Kursraketen oder die neue Chance auf mehrere Tausend Prozent Gewinn handelt.

Dabei verweisen sie vielleicht auch noch darauf, dass sie diese Aktie schon im Depot hätten. Ziel ist das Erzeugen einer enormen Nachfrage für einen Wert, bei dem im Normalfall vielleicht nur ein paar Hundert Stück am Tag gehandelt werden. Der Kurs zieht dann enorm an, ohne dass sich die neuen Aktionäre Bewertungskennzahlen wie KGV, Buchwert oder Dividendenrendite ansehen. Dieses aggressive Durchverkaufen von Aktien hat allerdings auch seine Vorteile: Für Anleger sind diese Aktionen einfach zu erkennen.

Börsenpsychologie in der Alltagssprache: Von Unterstützungs- und Widerstandslinien

Dieser Teil der Börsenpsychologie bezieht sich auf das tatsächliche Marktverhalten und gibt den privaten Aktionären und Investoren sogar wertvolle Hilfe bei den Entscheidungen. Eilt ein Wert oder ein Index stets von Rekord zu Rekord – ohne dass sich Gewinnsituation oder Fundamentaldaten geändert haben – dann wird gerne von einem überkauften Markt gesprochen oder Widerstandslinien, die ganz ohne mehrmaliges Antesten durchbrochen werden.

Die allgemeine Euphorie an den Märkten könnte dann vom Anleger genutzt werden, um Gewinne zu sichern oder mitzunehmen. Denn ein kleiner Rücksetzer erscheint umso wahrscheinlicher, je länger eine nicht zahlengestützte Euphorie anhält. Deshalb liefert die Börsenpsychologie wichtige Hinweise und ist aus dem wirtschaftlichen Leben nicht wegzudenken. Ähnlich können Sie übrigens bei vielen Produkten des täglichen Bedarfs oder Trends umgehen: Ist eine sehr hohe Euphorie im Spiel, so können die verlangten Preise überhöht sein.

Mit Börsenpsychologie Werte schaffen: Die Dynamik der Hauptversammlung und Dividendenzahlungen

Ein bei sehr vielen Aktien zu bemerkender börsenpsychologischer Effekt ist der enorme Einfluss der Hauptversammlung und der Dividendenzahlung auf die Berichterstattung und die öffentliche Wahrnehmung: Obwohl der Geschäftsbericht einschließlich der Rechnungslegung und der Prognose für die nähere Zeit schon lange vor der Hauptversammlung vorliegt, findet sie oft an diesem Tag ein breites Medienecho. Die Stimmung der Aktionäre (der Eigentümer des Unternehmens), die gestellten Fragen und insbesondere die Rede des Vorstandsvorsitzenden können eine Aufbruchstimmung erzeugen oder gar Werte vernichten.

Berater Tipp

Im Falle eines gut laufenden Geschäfts kann Börsenpsychologie wie ein echter kurz- und langfristig wirkender Nachbrenner sein: Viele institutionelle Anleger oder auch Privatanleger möchten die Aktie jetzt und sofort ordern, obwohl diese einen Tag früher günstiger gewesen wäre. Im besten Fall sorgt dann die Börsenpsychologie für eine zusätzliche Welle des Geschäftes an der Börse und sogar für die Produkte des Unternehmens!

Börsenpsychologie ist mehr als spannend: Sie kann Werte schaffen

Insgesamt gesehen kann die Börsenpsychologie viele Werte schaffen. Sie begeistert die Menschen für Unternehmen, Innovation und die Wertpapiermärkte und hilft dabei Kursentwicklungen nicht nur aus den Unternehmen selbst, sondern dem Kunden- und Anlegerverhalten erklären zu können. Damit ist das Erkennen und Analysieren der Börsenpsychologie auch ein wichtiger Bestandteil der Verbraucherpsychologie und kann in zusätzlichen Bereichen weiterhelfen. Sie schützt vor Fehltritten bzw. Fehlkäufen und schärft die Wahrnehmung.

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