Immer häufiger taucht im Zusammenhang mit Kapitalanlagen der Begriff „Rebalancing“ auf. Gerade im Zusammenhang mit einem Investment, welches auf der Anlageentscheidung eines sogenannten Roboadvisor basiert, kommt Rebalancing Bedeutung zu. Die „Wiederherstellung des Gleichgewichtes“ ist für viele Depotinhaber wesentlich, wird aber beim selbst-gemanagten Depot häufig vergessen.

Rebalancing – für den Roboadvisor Pflicht

Stärker als für den Berater der Bank vor Ort ist das Rebalancing für eine Vermögensverwaltung auf der Grundlage eines Roboadvisor, der Vermögensanlage auf der Grundlage von ETFs, Pflicht. Dies gilt im Übrigen auch für klassische Vermögensverwalter. Warum?
Bevor die Vermögensverwaltung zum Tragen kommt, definiert der Anleger sein eigenes Chance-Risiko-Profil. Dieses gliedert sich üblicherweise in drei Klassen:

  • Konservativ
  • Ausgewogen
  • Chancenorientiert

Abhängig vom Risikoprofil erfolgt eine Aufteilung der Wertpapierallokation in festverzinsliche Wertpapiere und Aktien. Der Vermögensverwalter, sei es ein Mensch oder eine Maschine, muss dafür sorge tragen, dass die Wertpapierallokation den Vorgaben des Mandanten nachkommt. Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass Anleger sich selbst untreu werden und das Depot nach einigen Jahren allem, nur nicht mehr dem eigenen Risikoprofil entspricht.

Berater TippWann greift Rebalancing

Wann Rebalancing bei einem Roboadvisor greift, hängt von der vertraglichen Ausgestaltung ab. Die Toleranzgrenze kann bei 10, aber auch bei 15 Prozent Abweichung von der Ausgangsallokation liegen.

Ein Ausflug in die „alte Welt“

Angenommen, ein Anleger eröffnete im April 2012 bei einer Bank ein Depot und wollte 100.000 Euro investieren. Da er sich als Anleger mit ausgewogenem Chance-Risiko-Profil betrachtete, sollte der Bankberater 50.000 Euro in einen Investmentfonds mit Werten aus dem Dax 30-Index investieren. 50.000 Euro sollten in festverzinsliche Anleihen erster Bonität angelegt werden.
Die folgende Grafik zeigt, wie sich das Investment entwickelte:

Quelle: http://www.boerse.de/chartsignale/REX/DE0008469115

 

ZAHLEN & FAKTEN:

In Zahlen ausgedrückt, notierte der DAX 30 am 5.4.2012 bei 6.775,26 Zählern, am 7.4.2012 bei 12.186,42 Punkten, ein Plus von 79,87 Prozent. In Euro ausgedrückt, stieg der Wert des Aktienanteils im Depot auf 89.935 Euro.
Der REX, der Index für deutsche Staatsanleihen, stieg in der Zeit vom 9.4.2012 von 428,09 Zählern auf 485,42 Punkte am 2.4.2017. Das Plus betrug lediglich 13,39 Prozent. Der Eurogegenwert der Anleihen stieg auf 56.695 Euro.

Der Anleger mag sich über die Wertsteigerung seines Investments freuen, nur: Es spiegelt alles andere als ein ausgewogenes Depot wider. Das Risikopotenzial in Form von Kurskorrekturen bei den Aktien macht jetzt 61,33% des gesamten Depotbestandes aus.
An dieser Stelle sollte das Rebalancing greifen, um der ursprünglichen Chance-Risiko-Verteilung wieder gerecht zu werden.

Die zwei Möglichkeiten des Rebalancings

Dieses Beispiel verdeutlicht, weshalb ein Vermögensverwalter gezwungen ist, Rebalancing, die Anpassung der Wertpapierallokation an die Vorgaben des Anlegers vorzunehmen. Das Depot entspricht nicht mehr dem vertraglich festgehaltenen Anlegerprofil, der Risikoanteil im Depot ist überbewertet.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten, das Depot an das ursprüngliche Profil wieder anzupassen:

  1. Aus dem Aktienanteil werden zunächst so viele Papiere verkauft, bis Aktien und Anleihen wieder gleich gewichtet sind. Mit dem Verkaufserlös kauft der Anleger nun hälftig Anleihen und Aktien – das Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass es sich selbst finanziert.
  2. Anders verhält es sich beim sogenannten Cash-Flow-Rebalancing. Hier erwirbt der Anleger aus zusätzlichen Geldern so viele Anleihen, bis der Gegenwert dem Aktienanteil entspricht. Das Cash-flow-Rebalancing setzt folglich ausreichende Liquidität beim Anleger voraus.

Weshalb ist Rebalancing sinnvoll?

Während in der Vermögensverwaltung Rebalancing vertraglich geregelt ist, kann es für Anleger, die ihr Depot selbst managen, extrem sinnvoll sein.

Drei Gründe sprechen dafür:

  1. Die Börse, auch wenn sie die Investoren seit der Finanzkrise verwöhnt, ist keine Einbahnstraße. Einem Hoch folgt immer, irgendwann, die Kurskorrektur. Mit dem Rebalancing kontrolliert der Anleger sein Depot und hält das Risiko des Kursverlustes entsprechend seinem Anlegerprofil immer in den festgelegten Grenzen. Steigt der Anteil der volatileren Papiere überdurchschnittlich, werden diese durch weniger kursanfällige Papiere ersetzt und die Stabilität des Depots bleibt gewährleistet. Da der Austausch aus realisierten Kursgewinnen erfolgt, kommt es zwangsläufig zu einem Wertzuwachs.
  2. Rebalancing impliziert antizyklisches Handeln. Gekauft wird bei fallenden Kursen, verkauft bei steigenden. Der Effekt ähnelt langfristig dem des Durchschnittskosteneffektes bei Sparplänen.
  3. Der Anleger ist bei einem gezielten Rebalancing dazu gezwungen, diszipliniert vorzugehen. Hat ein Papier im Depot ein gestecktes Anlageziel erreicht, wird der Wertzuwachs realisiert, unabhängig, ob noch weitere Kurssteigerungen möglich sind. So verhindert er, dass ihn eine Trendumkehr überrascht, die stärker als der Kursanstieg ausfallen kann. Er hält das Portfolio immer im Rahmen des selbst gesteckten Chance-Risiko-Profils. Warren Buffet ist übrigens auch ein eiserner Verfechter dieses Vorgehens – der Erfolg gibt ihm recht.

Die Kosten des Rebalancing

Rebalancing kostet allerdings auch Geld. Jeder Kauf und Verkauf eines Wertpapieres ist mit Courtagen behaftet. Im Rahmen der Vermögensverwaltung durch einen Roboadvisor sind diese Kosten in der Verwaltungsgebühr eingepreist. Wer sein Depot über Investmentfonds aufbaut, kann die Kosten dadurch senken, dass er es bei einem Broker führt, der auf Ausgabeaufschläge verzichtet oder diese zumindest stark rabattiert. Wer sich an die Talfahrt des DAX in der Zeit von Dezember 2007 bis Februar 2009 erinnert, wird den finanziellen Aufwand für Rebalancing jedoch als gerne gezahlte Risikoprämie einstufen.

Video: Die Zusammenfassung im Video:

 

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