Die Frage der richtigen sowie fairen Bewertung bewegt sowohl den Mittelstand bei der Übergabe bzw. dem Generationswechsel, aber auch die Weltbörsen. Manche Bewertungen können Kopfschütteln auslösen. Extremes Beispiel? Sehr gerne: Ein vergleichsweise kleiner Hersteller von Elektroautos (Tesla) wird mit einem ähnlichen Börsenwert wie ein richtiger Autohersteller (Ford) bewertet. Dabei kann Ford auf eine positive Umsatzrendite von beinahe 4,8 % blicken und Tesla hat bisher Quartal für Quartal Verluste geschrieben. Ist denn die Ermittlung eines realistischen Firmenwertes reines Hexenwerk oder gibt es auch hier Zusammenhänge oder Kennzahlen, die eine Orientierung ermöglichen?

Eine faire Firmenbewertung kombiniert Substanzwert und Zukunftsaussichten

Die Wert einer Firma wird von Banken oder auch Wirtschaftsprüfern für verschiedene Zwecke benötigt. Sei es um eine mögliche Verschuldung oder das vorhandene Barkapital in richtige Beziehung zum Gesamtwert zu setzen (Stichwort: Kreditwürdigkeit). Den Firmenwert ermitteln bedeutet oftmals auch die Rentabilität und den Umsatz einordnen und letztendlich verbessern zu können. Die einzelnen Kennzahlen werden dabei innerhalb einer Branche verglichen. Meist besteht der einigermaßen korrekte Wert einer Firma deshalb aus verschiedenen Bestandteilen und berücksichtigt:

  • die vorhandenen Substanzwerte wie Maschinen, Lagerbestände von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen oder auch Fertigwaren
  • das selbst erstellte Know-How oder auch einem zusätzlichen Wert (beispielsweise dem Markennamen oder dem Kundenstamm)
  • den realisierten oder realisierbaren Gewinn: Bei gleicher Substanz werden die Unternehmen höher bewertet, mit denen sich auch langfristig ein höherer betrieblicher Erfolg verbinden lässt

Doch dieser auf Zahlen und Daten basierende Firmenwert wird im weiteren Verlauf des Gesamtbewertungsprozesses noch weiter korrigiert.

Der 2. Schritt: Zu- und Abschläge beim Firmenwert ermitteln

Je nachdem welche Zukunftsprognose für eine Branche oder Region angenommen wird, werden die Zahlen & Fakten für den Wert einer Firma nach oben oder unten korrigiert. Denken Sie beispielsweise an ein großes Medizinunternehmen, das sog. Versorgungszentrum, bei denen viele Ärzte für ein Unternehmen unter einem Dach arbeiten. Steigendes Durchschnittsalter und demographische Faktoren lassen den Firmenwert selbst bei gleicher Ausstattung und ählichem Honorarumsatz ganz unterschiedlich erscheinen. Gibt es einen Bevölkerungszuwachs in einer Region, so wird es einen gewissen Zuschlag für das Wachstum dieser Region geben. Da in dieser Branche ja auch nicht uneingeschränkt neue Kassenärzte bzw. Unternehmen zugelassen werden. Beim Firmenwert ermitteln muss aber ein Abschlag eingerechnet werden, wenn die Bevölkerungszahl einer Region erheblich sinken würde.

Bild in der Öffentlichkeit und Branchen-Beliebtheit korrigieren die Bewertung

Ein weiterer Baustein für die Firmenbewertung ist das Bild eines Unternehmens in der Öffentlichkeit und die Beliebheit einer Branche beispielsweise bei Käufern und Unternehmensgründern. Aufgrund einer möglichen, zukünftigen Änderung des Käuferverhaltens hin zu den Internet-Multis kann es durchaus sein, dass Einzelhandelsgeschäfte in kleineren Städten oder b-Lagen mit einem erheblichen Abschlag bewertet werden. Der hohe Substanzwert der Firma oder auch der abgezinste zukünftige Ertrag muss dann mit Unsicherheitsfaktoren oder Abzügen belegt werden.

Das zeigt aber auch: Es gibt nicht den einen, immer richtigen Firmenwert. Stattdessen ist dieser eher ein Annäherungswert.

Um auf das Beispiel der großen Autobauer zurückzukommen: Börsenanalysten verdeutlichen hier den Wert einer Firma auch dadurch, dass Sie den Börsenwert eines Unternehmens durch den erzielten Gewinn teilen. Je günstiger dieser Quotient ist, desto unterbewerteter sieht das Unternehmen aus.

Video: Wie man einen Firmenwert ermittelt

Der angenäherte Firmenwert enthält viele Wertigkeitsinformationen

Dennoch kann in der Zusammenfassung gesagt werden, dass der Substanzwert und eine abgezinste Komponente der zukünftigen Gewinne schon einen sehr guten Hinweis auf den Firmenwert geben können. Dieser Wert ist eine Art Mindestwert und kann bei einem Verkauf manchmal sogar bei weitem übertroffen werden. Anders ist dies lediglich, wenn eine Branche durch externe Veränderungen bedroht ist. Dann wird es sehr schwer mehr als den Substanzwert zu erzielen! Dennoch sollte insbesondere ein Mittelständler nicht darauf verzichten diesen Wert möglichst regelmäßig zu betrachten. Er gibt einen weiteren Blick darauf wie viel Wert die Gründerfamilie (& die Mitarbeiter) geschaffen haben. Der Firmenwert kann auch wertvoll sein, um interne Familienstreitigkeiten abzumildern: Er ist trotz aller Ungenauigkeiten dennoch ein sehr guter Indikator.

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