Der Ölpreis befindet sich zur Zeit auf einer bisher einzigartigen Talfahrt. Was des einen Leid, ist des anderen Freud, daher stellt sich die Frage, welche Folgen der Ölpreisverfall mit sich bringt.

Jede Münze hat zwei Seiten

Das Preisniveau in der Ölbranche befindet sich auf Rekordtief. Nicht einmal zur Zeit der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 wurde so wenig für einen Barrel Öl bezahlt. Ein Umstand, der deutsche Konsumenten Grund zum Jubeln gibt. Benzin und Heizöl sind so günstig wie schon lange nicht mehr. Aber auch Firmen profitieren von den niedrigen Ölpreisen, da wesentlich günstiger produziert werden kann. Doch nicht alle sind von der Preisentwicklung begeistert, denn wo es Gewinner gibt, muss es auch Verlierer geben.

Video: China-Crash & Ölpreis-Schock: Das ist mein Börsenausblick 2016 – Interview Frank Fischer

Die Verlierer im Ölpreisdrama

Opec-Staaten, von denen einige früher die globalen Ölpreise nach belieben diktierten, gehören heute zu den Leidtragenden der Preisentwicklung, denn der Hauptteil der Staatseinnahmen stammt aus dem Ölgeschäft. Vor allem die Russische Föderation, ohnehin schon wegen des Ukraine-Konflikts mit schmerzhaften westlichen Sanktionen belegt, trifft die Talfahrt des Ölpreises hart. Laut einem Bericht der britischen „Financial Times“ hat Russland aufgrund des Preisverfalls seine Staatsausgaben um 10 Prozent zurückfahren müssen.

In anderen ölfördernden Ländern wie Iran, Nigeria und Venezuela sieht es nicht anders aus. Selbst Saudi-Arabien ist betroffen. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat das Land im Jahr 2015 beim Verkauf von Öl eklatante finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Um diesen Einbruch der Einnahmen zu kompensieren soll sich Saudi-Arabien mit etwa 20 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet haben. Dennoch geht es den arabischen Ölstaaten aufgrund ihrer niedrigen Förderkosten vergleichsweise gut. Dennoch hat die Regierung in Riad auf das Ölpreisdrama reagiert und hat für 2016 Wirtschaftsreformen und ein ungewöhnlich straffes Sparprogramm angekündigt. Doch es gibt noch einen viel größeren Verlierer, die Fracking-Industrie.

Überangebot an Öl sorgt für Entlastung

Fracking hat sich zunächst für Amerika äußerst positiv entwickelt. Die USA hat im Jahr 2015 rund 15 Prozent mehr Öl gefördert als im Vorjahr. Dennoch trägt nach Meinung von Experten der Fracking-Boom und die generelle Überproduktion an Öl eine gehörige Mitschuld an der Ölkrise.

Das liegt insbesondere daran, dass Saudi-Arabien die Fracking-Industrie verständlicherweise ein Dorn im Auge ist. Daher fördern einige der Opec-Staaten inklusive der USA, trotz sinkender Nachfrage, weiter mehr Öl als gebraucht wird, um so den unliebsamen Konkurrenten auszubooten. Für die Ölpreisentwicklung bleibt das Überangebot nicht ohne Folgen.

Berater Tipp
Für Deutschland ist das momentane Preisniveau ein finanzieller Segen. Selbst bei einem Preis von 60 Dollar pro Barrel (156 Liter) würde das eine Entlastung von rund 24 Milliarden Euro bedeuten, das entspricht etwa 0,8 Prozent des Brutto-Inland-Produkts. Auch andere europäische Länder wie Frankreich (17 Milliarden) und Spanien (12 Milliarden) würden bei einem durchschnittlichen Ölpreis von 60 Dollar profitieren. Interessanter Weise profitieren auch die USA bei einem Barrel-Preis von 60 Dollar, denn auch wenn sie Einbußen im Ölgeschäft verbuchen müssten, es würde immer noch für eine Entlastung um 0,7 Prozent des BIP reichen.

Ungebremste Öl-Förderung verhindert ein Ende der Talfahrt

Während viele Länder bei einem Barrel-Preis von durchschnittlich 60 Dollar deutlich entlastet werden, benötigen andere einen Durchschnittspreis von mindestens 100 Dollar, um bestehen zu können.
Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) gehen jedoch davon aus, dass im Jahr 2016 die Rohöl-Förderung noch um eine weitere Million, also 31,3 Millionen Barrel pro Tag steigen wird.

Titelbild: © istock.com – razihusin