Nebenjobs neben der Ausbildung oder einer späteren Berufstätigkeit sind immer eine sehr heikle Angelegenheit. Einerseits 
dürfen Arbeitsverträge keine unberechtigten Verbote einer Nebentätigkeit enthalten. Andererseits gehört die Arbeitsumgebung und insbesondere die Arbeitszeit zum unmittelbaren Einflussbereich des Arbeitgebers. Deshalb ist es in vielen Unternehmen – zu Recht – strikt untersagt Fremdware oder Dienstleistungen im Büro an die Kolleginnen und Kollegen zu verkaufen. 

Beim Nebenjob neben Ausbildung lauern viele Fallen – Offenheit und Vertrauen kann helfen

Die Frage, ob Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zusätzlich zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit einen Nebenjob ausüben dürfen ist inzwischen leider sogar vor den höchsten Gerichten geklärt worden. Zusammengefasst ergibt sich daraus, dass der Arbeitgeber im Regelfall einen Nebenjob nicht verbieten kann. Allerdings gibt es hier Einschränkungen: Das Hauptarbeitsverhältnis bzw. die Ausbildung haben Vorrang vor etwaigen Nebenjobs. Wenn es beispielsweise Probleme mit der maximal zulässigen Arbeitszeit geben würde, dann kann der Arbeitgeber die Nebentätigkeit verbieten. Zudem sollte die Nebentätigkeit die Leistung während der Ausbildungszeit nicht schmälern.

Wer in der Nacht bei einem Sicherheitsdienst, der Paketumladung oder dem Zeitungen austragen arbeitet, der sollte während der Hauptarbeit nicht einschlafen.Wie immer im Leben hilft ein bisschen gegenseitiges Einfühlungsvermögen.

Auch bei der Frage, ob ein Auszubildender wirklich einen Nebenjob braucht. Oder ob die Ausbildung nicht doch Vorfahrt hat. Auf alle Fälle gilt: Rechtzeitig den Arbeitgeber vor Aufnahme informieren.

Video: Arbeiten neben der Ausbildung? Sinnvoll? Unmöglich?

Das absolute No-Go: Verwendung von Firmeneigentum oder –daten für den Nebenjob neben Ausbildung

Gerade Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger haben oftmals noch keine wirkliche Vorstellung davon wie die Wertschöpfung in Unternehmen aussieht und welche Kosten dahinter stehen. Da könnte man doch schon mal auf die Idee kommen das eine oder andere Werkzeug „auszuleihen“ oder mal ein Ersatzteil zum Mitarbeiterpreis zu kaufen und dann weiterzuverkaufen. Beides ist aber ausdrücklich unerwünscht. Weil im Endeffekt Unternehmensvermögen für private Zwecke gebraucht wird und der Chef gar keine Ahnung davon hat. Genauso wenig ist es tragbar, wenn beispielsweise Firmendaten guter Kunden für eigene Akquisezwecke des Auszubildenden genutzt werden. Wer nebenbei ein paar Accessoires, Kosmetika oder ähnliches verkaufen möchte, der sollte die Firmen-Kundendateien in Ruhe lassen.

Eine innere Selbstverpflichtung bringt den Auszubildenden weiter

Neben den rein arbeitsvertraglichen und rechtlichen Aspekten sollte der Auszubildende immer auch an die Chancen der Ausbildung denken. In dieser Zeit kann jeder Auszubildende Weichen stellen und sich u. a. überlegen:
  • Wird eine Übernahme angestrebt? Möchte der Auszubildende also bei dem Betrieb bleiben, bei dem er gelernt hat?
  • Gibt es innerhalb des Berufsbildes eine Spezialisierung, sollte der Auszubildende rechtzeitig Signale in Richtung seiner Wunschfiliale oder –verwendung senden?
  • Ist eine spätere Fortbildung Geselle -> Meister geplant?
  • Oder ist der Beruf nicht das, was der Auszubildende später machen möchte. Dann kann nach einer zwei- bis dreijährigen Berufstätigkeit als ausgelernter Arbeitnehmer durchaus ein Wechsel angestrebt werden.

Alle diese Entscheidungen fallen wesentlich leichter, wenn sich der Auszubildende während der Ausbildung auf den Beruf, das Umfeld und auch seine Freunde / Familie konzentriert. Der Nebenjob neben Ausbildung nimmt wahrscheinlich im Vergleich zu den Verdienst-Euro zu viel Zeit und Energie in Anspruch.

Unser Fazit: Nebenjob neben Ausbildung – meist keine gute Sache

Um den Wert der eigenen Ausbildung wirklich schätzen zu können ist wahrscheinlich der Blick ins Ausland lohnend: Dort gilt die deutsche berufliche Ausbildung inklusive ihrer 3-jährigen Lehrzeit als vorbildhaft. Das könnte indirekt der Ansatz zum Nachdenken sein. Sollte der Auszubildende wirklich die kostbare Zeit neben der Ausbildung mit einer Aushilfstätigkeit verbringen? Oder ist die Freizeit zum Erholen, Freunde treffen oder auch zum Aufbau von gemeinsamer Wertschätzung im Betrieb („Teambuilding„) nicht besser genutzt? Das sollte bedacht werden bevor sich jemand für eine – oft auch befristete – Aushilfstätigkeit entscheidet und dort vielleicht zu viel an Energie hineinsteckt.

Titelbild: ©iStock – AntonioGuillem