Wer sich in einem Elektronikfachmarkt umsieht oder die Werbelandschaft genau betrachtet, der sieht: Längst gibt es viele unterschiedliche, hochwertige Smartphones. Apple hat kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Der Wettbewerb wird durch Samsung, Huawei, HTC und viele weitere härter. Damit scheint der Aufwärtstrend der Umsätze und auch Gewinne von Apple gestoppt. In der aktuellen Quartalsberichterstattung werden die Probleme an der Preisfront ebenso deutlich wie die Abnahme der verkauften Stückzahlen bei vielen Produktlinien.

Alarmsignal: Hardware-Absatz und Umsatz im Rückwärtsgang

Der Umsatz von Apple speist sich traditionell aus drei Säulen: Dem Hardwareverkauf von iPhone, iPad und Mac sowie den Bereichen „Dienstleistungen“ (z. B. Apps und Musik aus dem Online Store) und „Sonstige Produkte“. Die Finanzberichterstattung für das abgelaufene dritte Quartal 2016 zeigt den Löwenanteil der Umsätze von 80,6 % für die Hardware.

14,1 % des Gesamtumsatzes des Quartals entfallen auf den Bereich „Sonstiges“. Die absoluten Zahlen sind auf den ersten Blick ebenso beeindruckend: 34,163 Milliarden US-Dollar setzte das Unternehmen mit der Hardware im aktuellen Quartal um.

Allerdings zeigt der Jahresvergleich eine Tendenz auf, die das erfolgsverwöhnte Unternehmen in Alarmstimmung versetzen müsste. Die Umsätze für das iPhone sanken um 23 %, für das iPad um 7 % und für den Mac um 13 %. Damit sinken die Umsätze bei allen drei wesentlichen Produktlinien gleichzeitig!

Wenig Highlights bei der regionalen Aufsplittung der Umsätze

Der Jahresvergleich aufgesplittet nach den einzelnen Regionen zeigt nur wenig Highlights bei den Umsätzen: Mit Ausnahme des japanischen Marktes sind die Umsatzverluste beinahe durchgehend im zweistelligen Prozentbereich zwischen 11 und 33 %, lediglich in Japan konnte ein Umsatzplus von 23 % verbucht werden.

Allerdings trägt der japanische Markt zum Gesamtumsatz gerade einmal zu 8 % bei. Damit zeigt sich, dass sowohl alle Produktlinien, als auch beinahe alle Regionen vom Umsatzminus betroffen sind. Lediglich der – im langfristigen Trend immer bedeutender werdende – Bereich „Services“ konnte ein Umsatzplus verbuchen.

Die Finanzmärkte quittierten die aktuellen Zahlen erstaunlicherweise nicht mit einem massiven Kurseinbruch: In Frankfurt notierte die Aktie (WKN: 865985) im mittäglichen Handel des 27. Juli 2016 mit einem Plus von 5,80 % bei knapp über 93,53 Euro.

Video: Charts & Co.: Apple nach Zahlen – Ein Star im Sinkflug?

Die Abkühlung der Smartphone-Märkte verhindert Durchstarten der Aktie

Die renommierten Nachrichtenagenturen berichten ebenfalls ausführlich über die aktuellen Quartalszahlen von Apple. Diese sollten vor dem Hintergrund eines sich abkühlenden Smartphone Wachstums gesehen werden. Bloomberg zitiert eine Studie eines Marktforschungsunternehmens, welches für dieses Jahr noch ein Gesamtmarktwachstum von nur noch 3,1 Prozent sehen würde!

Die bestehenden hohen Produktionskapazitäten, der stetige technische Fortschritt werden aus Sicht unserer Redaktion deshalb zu einem weiteren Preisdruck auf die Smartphones führen. Kurzfristig gesehen wird das Wachstum der Erträge aus dem Service-Bereich diesen Umsatzschwund wohl nicht kompensieren.

Deshalb kann es nach Auffassung unserer Redaktion durchaus noch einige Zeit dauern bis sich ein neuer, stabiler Aufwärtskanal für die Apple Aktie herausbilden könnte.

Berater Tipp

Große Gewinnschwankungen zeigen die Dynamik der High-Tech Branche

Die Zahlen sind weder für das Unternehmen selbst, noch für die Aktionäre sehr erfreulich. Allerdings spiegelt sich in Ihnen auch das Wesen der High-Tech Branchen bzw. Smartphone-Industrie wider. Binnen weniger Jahrzehnte kann ein Unternehmen zu den wertvollsten der Welt gehören, den Wachstumspfad aber nicht unendlich fortschreiben.

Wer also in diese Aktienkategorie investiert, der muss sich bewusst sein, dass Rendite und Risiko außerordentlich hoch sein können. Die Kursentwicklung von Yahoo oder der Deutschen Telekom AG zeigen, dass Werte auch jahrelang von bisherigen Höchstständen entfernt sein können.

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