Life Science oder Biotech – das sind zwei Schlagworte für eine dynamische und zukunftsorientierte Branche, die sich mit der Nutzung von Enzymen, Stammzellen oder Organismen in technischen Verfahren befasst. Das Anwendungsspektrum ist breit und vielfältig. Es reicht von Einsatzmöglichkeiten in der Landwirtschaft oder bei Pflanzenzüchtungen über Medizin und Pharmazeutik bis zu industriellen Anwendungen oder Umwelt- und Ressourceneffizienz. Die Biotech-Branche ist ein spezifischer Wirtschaftszweig mit guten Aussichten.

Eine junge Branche mit vielen Gesichtern

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland insgesamt 579 Unternehmen, die schwerpunktmäßig oder ausschließlich in der Biotechnologie aktiv waren. Darüber hinaus verfügten weitere 131 Unternehmen über Geschäftsfelder und Teilbereiche im Life Science- und Biotech-Sektor. Meist handelt es sich um Pharma- oder Chemieunternehmen oder Firmen der Abfallentsorgung und Umweltbranche. In beiden Teilbranchen waren insgesamt mehr als 37.000 Mitarbeiter tätig.

Biotechnologie-Firmen sind im Schnitt jung, das durchschnittliche Unternehmensalter beträgt lediglich elf Jahre. Betriebe, die dreißig Jahre oder älter sind, wirken schon fast wie Exoten. 2014 wurden 14 neue Firmen gegründet, 7 wurden insolvent. Die meisten Biotech-Unternehmen sind in vier Bundesländern ansässig: Bayern, Baden-Württemberg, Berlin-Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Auch bei den Geschäftsfeldern sind klare Schwerpunkte festzustellen. Fast die Hälfte der Unternehmen beschäftigt sich mit den „Alleskönnern“ Stammzellen, Medikamenten und innovativen Diagnoseverfahren. Der Rest verteilt sich auf die übrigen Life Science- und Biotech-Felder oder betätigt sich unspezifisch als Zulieferer bzw. Dienstleister.

Video: Biotechnologie – eine Wissenschaft, die Zukunft schafft

Ein Rekordjahr bei den Umsätzen

2014 war mit Umsätzen von 3,03 Milliarden Euro ein Rekordjahr für die Biotech-Branche. Nie zuvor wurde soviel Umsatz erreicht. Das Umsatzwachstum gegenüber 2013 betrug fast sechs Prozent. Damit setzt sich der Wachstumspfad der letzten Jahre mit zum Teil zweistelligen Wachstumsraten fort. Lediglich die Jahre 2008 – Finanzkrise – und 2012 waren mit Umsatzdellen verbunden. Auch bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung bewegten sich die Firmen weiter auf hohem Niveau. Sie sind im vergangenen Jahr – erstmals seit der Finanzkrise – wieder deutlich gestiegen und erreichten mit 954 Millionen Euro ein Plus von über sechs Prozent.

Berater Tipp
Der hohe Anteil an FuE-Investitionen im Vergleich zum Umsatz zeigt die strategische Bedeutung dieses Bereichs für die Unternehmensentwicklung. Er entscheidet über Erfolg oder Misserfolg von Biotech-Unternehmen. Auch das hohe unternehmerische Risiko wird daran deutlich.

Finanzierung aus unterschiedlichen QuellenLife Science

Die insgesamt gute Geschäftslage der Branche machte sich bei der Finanzierung bemerkbar. 445 Mio. Euro wurden 2014 von Kapitalgebern in Biotech-Firmen investiert, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Finanzierungsquellen ergibt sich ein differenziertes Bild. Drei Unternehmen gingen – außerhalb Deutschlands – neu an die Börse und sammelten 77 Millionen Euro ein. Es waren die ersten Börsengänge der Biotech-Branche seit 2007.

Demgegenüber gingen börsengestützte Folgefinanzierungen um rund 30 Prozent auf 152 Millionen Euro zurück. Rückläufig war auch die Nutzung öffentlicher Fördergelder. Hier wurden lediglich 44 Millionen Euro (minus 10 Prozent) in Anspruch genommen. Über private Investoren konnten dagegen 172 Millionen Euro (plus 26 Prozent) eingeworben werden. Eine zunehmende Bedeutung bei der Finanzierung besitzt das Crowdfunding – die Einsammlung von Kapital vieler kleinerer Kapitalgeber über Online-Plattformen.

 

Quelle: statista.de

Quelle: statista.de

Überdurchschnittliche Chancen und Risiken

Biotechnologie ist zweifelsohne eine Branche mit überdurchschnittlichen Wachstums- und Ertragsperspektiven. Auch 2015 dürfte erfolgreich werden. Ebenso überdurchschnittlich ist allerdings das unternehmerische Risiko. Von der Forschung und Entwicklung bis zur marktreifen Anwendung vergeht oft längere Zeit und die nötigen Investitionen sind hoch, ohne dass ein Markterfolg garantiert ist. Private Anleger, die sich engagieren wollen, sollten vor allem Fonds-Lösungen wählen. Hier ist das Risiko gestreut.

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