Die Augen der Wirtschaftsfachleute und der breiten Öffentlichkeit richten sich immer wieder nach Indien: Eine steigende Bevölkerung und ein steigendes Bruttosozialprodukt weisen ganz klar auf ein Land im Aufbruch hin, was sich von einem Schwellenland zu einer echten Industrienation entwickelt. Die Aktienkurse kannten eine lange Zeit nur die Richtung nach oben, kürzlich gab es einen Rücksetzer. Deshalb fragen sich viele, wo denn die Entwicklung der Börse Indien hingehen könnte. Wir versuchen eine Antwort zu geben!




In den indischen Aktienindices zeigt sich eine beeindruckende Kursrallye

Wenn ein Anleger oder Analyst die Kursentwicklung anhand eines der gängigen Indices (beispielsweise des S&P BSE SENSEX) nachverfolgt, dann werden die Renditechancen des indischen Marktes deutlich. Dieser kapitalgewichtete Index startete Ender der 1970er-Jahre bei 100 und hat Anfang Mai 2015 einen Wert von über 26.000 Punkten erreicht. Im 1-Jahres-Vergleich konnten sich die Anleger über einen Kurszuwachs von mehr als 20 % freuen.

Dennoch erscheint der Markt bzw. Index nicht überkauft, da die Entwicklung der Volkswirtschaft dynamisch weitergeht. Zudem beflügelt die Niedrigzinspolitik der amerikanischen Notenbank FED und der EZB auch die indische Börse: Anlegern stehen de facto nur wenig attraktive festverzinsliche Wertpapiere zur Verfügung. Bei den Schwergewichten des Indexes sind zudem die Werte für KGV nicht so hoch, dass ein langfristiger Abwärtstrend eingeleitet werden würde.

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Enormes Bevölkerungswachstum verbindet sich mit Fleiß und niedrigen Kosten

Anders als beispielsweise die Kursrallye der europäischen und amerikanischen Internetaktion kurz nach der Jahrtausendwende ist die Entwicklung der Börse Indien von interessanten volkswirtschaftlichen Bedingungen und einem Bevölkerungswachstum eingerahmt. Das in der Länderanalyse starke und öffentlich verfügbare CIA Factbook nennt hierzu einige Kerndaten:

Eine Alterspyramide, deren Schwerpunkt wirklich bei den jungen Jahrgängen liegt und eine hohe Geburtenrate zeigen anders als in den reiferen Industrienationen wie Japan eine Zunahme der Bevölkerung und damit auch des Arbeitskräfte- und Verbraucherpotenzials an.

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei nur 27 Jahren, das Bevölkerungswachstum bei 1,25 % pro Jahr! In Statistiken der ILO beeindruckt Indien durch vergleichsweise niedrige Lohnkosten. Die Wißbegierigkeit einer Bevölkerung im Aufbruch ließen Indien zuerst als reiner Produktionsstandort interessant werden, nunmehr auch als Entwicklungsstandort für die Software-Industrie und andere hochwertige Wirtschaftsbereiche. Damit steht auf langfristiges Wachstum setzendem unternehmerischen Handeln nichts im Wege, die Entwicklung der Börse Indien könnte schon bald wieder in einen Aufwärtstrend münden.




Berater Tipp

Das Wirtschaftswachstum beträgt immerhin noch etwa 5 Prozent

Da an der Börse meist Zukunftsaussichten bzw. Gewinne in der Zukunft gehandelt werden hat neben den Management-Entscheidungen in einzelnen Unternehmen das Wirtschaftswachstum eine herausragende Bedeutung. Dieses liegt auch in einer Schwächephase immerhin noch bei 5 Prozent, während Europa sich mit 1 oder 1,2 Prozent zufrieden geben muss. Die starke Expansion der Volkswirtschaft mit mehr als 1,2 Milliarden Verbrauchern wird deshalb zu einer ständig steigenden Nachfrage führen.

Da sich die wenigsten Anleger aber mit den Stärken und Schwächen der einzelnen Unternehmen wirklich auskennen, empfiehlt sich bei Interesse das Erwägen eines Investments in einen breit gestreuten Aktienfonds bzw. den Index.

Eine Beimischung kann für risikoorientierte Anleger lohnend sein

Börse in Indien
Neben den Wachstumsaussichten Indiens sollten alle Anleger mit Heimatwährung Euro auch über die Entwicklung der eigenen Währung nachdenken. Wer eine weitere Abwertung des Euro erwartet, der kann seine Depotperformance noch weiter verbessern. Das zu erwartende Kurswachstum bzw. die Rendite der Aktien in indischer Währung paart sich dann mit einer Aufwertung, so dass die in Euro umgerechnete Performance des Einzeltitels oder Fonds noch höher sein könnte.

Genau deshalb kann die Beobachtung des indischen Marktes durchaus profitabel sein. Angesichts der Schwankungen sollte der Kauf allerdings auf mehrere Tage verteilt werden, so dass der Anleger nicht ein ungünstiges Wochenhoch als Einstiegszeitpunkt erwischt.

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