Zertifikate, gerade Anlagezertifikate werden von vielen Anlegern geschmäht. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist ihre Konstruktion häufig schwer zu verstehen, zum anderen vermuten viele dahinter nur eine Geldmacherei der Emittenten (Herausgeber), sprich der Banken. Natürlich wollen die Banken mit diesen Produkten Geld verdienen. Doch das ist legitim, wenn auch Sie als Anleger einen Nutzen davon haben.

Bei Bonuszertifikaten (siehe auch: Böhms Börsenlexikon: Was ist ein Bonuszertifikat?) ist dies meiner Ansicht nach der Fall: Wenn Sie ein Bonuszertifikat auf eine bestimmte Aktie kaufen, sagen wir z.B. die Daimleraktie, dann bietet Ihnen dieses Zertifikat häufig ein attraktiveres Chance-Risiko-Profil, als wenn Sie die Aktie selbst kaufen würden. Das heißt: Sie können eine höhere Rendite bei einem geringeren Risiko erzielen. Damit dies zutrifft, müssen Sie allerdings einiges beachten.

  • 1. Ein Bonuszertifikat ist nur dann besser als der Kauf der Aktie selbst, wenn Sie keinen starken Kursanstieg der Aktie erwarten.

    Bonuszertifikate spielen ihre Stärke in Seitwärtsbewegungen an den Märkten aus, sprich dann, wenn die Kurse auf der Stelle treten. Das liegt an ihrer Konstruktion: Jedes Bonuszertifikat ist definiert durch zwei Kursschwellen. Die Unterschwelle bzw. Barriere entscheidet darüber, ob Sie am Ende der Laufzeit den Bonus ausgezahlt bekommen, von dem das Zertifikat seinen Namen hat. Fällt die Aktie bis zum Laufzeitende NICHT unter diese Barriere, dann bekommen Sie den Bonus, ansonsten verwandelt sich das Bonuszertifikat quasi in die Aktie. Sie sind dann so gestellt, als hätten Sie die Aktie direkt gekauft. Die zweite Schwelle, die Bonusschwelle, entscheidet über die Höhe des Bonus. Das Gute dabei: Selbst wenn die Aktie seitwärts läuft oder leicht fällt, erhalten Sie den Bonus. Sie erzielen daher mit dem Bonuszertifikat eine höhere Rendite als beim direkten Kauf der Aktie. Und das bei einem geringeren Risiko, denn durch die Barriere ergibt sich ein Sicherheitspuffer.

  • 2. Ein Bonuszertifikat ist ein befristetes Investment

    Ein Bonuszertifikat hat eine bestimmte Laufzeit. Ihr Anlagehorizont sollte am besten mit dieser Laufzeit übereinstimmen, denn zumeist ist es sinnvoll, das Bonuszertifikat bis zum Laufzeitende zu halten. Sie sollten dabei das Risiko als sehr gering einschätzen, dass die von Ihnen ausgewählte Aktie (der so genannte Basiswert oder das Underlying) bis zum Laufzeitende unter die Barriere fällt. Ein kurzes Berühren der Barriere genügt und der erhoffte Bonus ist weg.

  • 3. Meine Praxis-Tipps für die Auswahl des richtigen Bonuszertifikats

    So weit so gut. Aber es gibt eine Unmenge an Bonuszertifikaten. Welches sollten Sie wählen? Mein Tipp: Wählen Sie keine zu hohe Bonusrendite, denn auch bei einem Bonuszertifikat gilt, dass eine hohe Rendite mit einem höheren Risiko verbunden ist. Chance und Risiko sollten in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen: Folgende Kombination hat sich bewährt: 10 bis 15 Prozent Bonusrendite bei einem Sicherheitspuffer von 20 bis 25 Prozent. Die entsprechenden Kennzahlen können Sie mithilfe der Auswahltools von Börsenportalen miteinander vergleichen.
    Achten Sie beim Vergleich der verschiedenen Bonuszertifikate auch darauf, dass das Aufgeld nicht zu hoch ist. Zwei bis drei Prozent sind ok, mehr kann schlecht sein. Der Grund: Läuft es nicht so, wie Sie angenommen haben und der Aktienkurs fällt in die Nähe der Barriere, dann baut sich das Aufgeld ab und die Verluste sind höher als bei der Aktie selbst.

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Wählen Sie ein Bonuszertifikat mit Cap, das heißt, mit einer Obergrenze. Meist entspricht der Cap der Bonusschwelle, das muss aber nicht der Fall sein. Ihr maximaler Kursgewinn ist dadurch gedeckelt, aber das macht ja nichts, schließlich gehen Sie ja sowieso von einer Seitwärtsbewegung der Aktie aus. Der große Vorteil: Die Bonusrendite und/oder der Sicherheitspuffer sind deutlich höher als bei einem Bonuszertifikat ohne Cap.

Ein Bonuszertifikat ist ein Investment mit Sicherheitspuffer, denn solange die Aktie nicht tiefer fällt als die Barriere, erhalten Sie am Laufzeitende den Bonus ausgezahlt. Sie erzielen also eine positive Rendite, selbst wenn die Aktie leicht fällt. Dennoch ist auch ein Bonuszertifikat mit einem Risiko verbunden. Sie sollten daher am besten eine eigene Stop-Loss-Marke setzen. Diese sollte oberhalb der Barriere liegen.

Fazit

Aus all dem ergeben sich einfache Regeln: Suchen Sie sich eine Aktie aus, von der Sie grundsätzlich überzeugt sind, von der Sie in nächster Zeit aber keine großen Kurssprünge erwarten. Wählen Sie ein Bonuszertifikat, am besten ein Capped Bonuszertifikat, dessen Laufzeit Ihrem Anlagehorizont entspricht. Die Barriere des von Ihnen gewählten Bonuszertifikats sollte so tief liegen, dass Sie ein Absacken der Aktie unter diesen Kurs für sehr unwahrscheinlich halten.

Wählen Sie kein Bonuszertifikat mit einer sehr hohen Bonusrendite, dahinter verbirgt sich auch ein hohes Risiko. Und vergessen Sie nicht: Auch ein Bonuszertifikat hat seinen Preis. Sie verzichten wie bei jedem anderen Zertifikat auf die Dividendenzahlungen, die Ihnen als Aktienkäufer zustehen würden.

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